RECHTSANWALTSKANZLEI SCHRADER        Telefon: 05221169090

Arno Schrader - Rechtsanwalt seit 1997 in Herford                                     0 52 21 - 16 90 90

Der Kampf gegen Mobbing

Herr Rechtsanwalt Schrader beschäftigt sich mit dem "Phänomen Mobbing" bereits seit dem Jahr 2001 intensiv. Er ist Mitgründer von MaMut e.V., ein Institut für Mobbing-Prävention und ehrenamtliche Mobbingberatung.

>>> Termine für Vorträge finden Sie unter "Aktuelles" <<<

und unter:

www.mobbing-solutions.de


Das war spannend: 2 Tage "Mobbing und Mediation":



"Mobbing am Arbeitsplatz - so etwas gibt es bei uns nicht!"

Leider hören wir diese Aussage auch heute noch häufig. Mobbing, Bossing, Staffing, Bullying: Selbst wenn diese Phänomene in einem Betrieb aktuell tatsächlich nicht existieren sollten, ist sowohl für die Unternehmensleitung als auch für den Betriebsrat eine gute Präventionsarbeit dringend anzuraten. Und wenn Mobbing tatsächlich schon Einzug gehalten hat?

Definition

Mobbing besteht aus fortgesetzten Angriffen oder Schikanen, von denen jede isoliert betrachtet geringfügig und nicht justiziabel sein kann. Mobbing wird subjektiv erlebt. Das, was für den einen Kollegen bereits Mobbing ist, verursacht bei einem anderen noch nicht einmal eine Gefühlsregung. Die Beteiligten sollten hier also nicht nur an die juristische Definition denken.

Mobbing-Tagebuch ist unerlässlich

Das Führen eines Mobbing-Tagebuchs führt dazu, dass die Chancen, das Mobbing zu beenden und ein Burn-out zu vermeiden, enorm steigen.

Mobbing-Checkliste

Sind auch Sie solchen Verhaltensweisen ausgesetzt? Dann könnte es Mobbing sein!

 

  • Anordnung unterfordernder Tätigkeiten
  • Behauptung von Fehlverhalten
  • Beleidigungen
  • Dauerkontrollen
  • Demonstratives Schweigen
  • Demütigungen
  • Diebstahl am Arbeitsplatz
  • Einsperren
  • Geistiger Diebstahl von Arbeitsergebnissen
  • Keine Hilfe leisten
  • Körperliche Gewalt
  • Sabotage von Arbeitsergebnissen
  • Sexuelle Belästigung
  • Telefonterror
  • Unberechtigte Abmahnungen
  • Unberechtigte Kündigungen
  • Unsachliche Kritik
  • Unterschlagen von Urlaubsanträgen
  • Verharmlosen von Mobbing-Situationen
  • Verlassen des Raums
  • Verleumdungen
  • Versetzungen
  • Weiterbildung wird verhindert


Die Intensitätspyramide verlassen

In einem Mobbingverlauf bewegt sich der Betroffene auf einem mühsamen Weg vergleichbar mit dem Erklimmen einer Pyramide. Auf diesem steilen Weg wird er von unzähligen Mobbingangriffen attackiert. Nun gilt es, den Gemobbten dazu zu bringen, die Intensitätspyramide zu verlassen. Ist der Gipfel erst einmal erklommen, geht es fast immer steil bergab. Es stellt sich vorher die eine Frage: Will ich gegen das Mobbing kämpfen oder die Institution verlassen, also meinen Arbeitsplatz aufgeben. Es bleiben Betroffenen nur diese zwei Möglichkeiten. Es muss an dieser Stelle etwas passieren, andernfalls droht der langfristige Ausschluss aus der Arbeitswelt.



Auch interessant: Sind Sie Burn-out gefährdet?

Der Burn-out-Test
Burn-out-Test.pdf (15.45KB)
Der Burn-out-Test
Burn-out-Test.pdf (15.45KB)



Die Mobbing-Intensitätspyramide von Arno Schrader:


Hier als PDF:

Mobbing akut
Handlungsstrategien gegen Mobbing
Mobbing akut.pdf (297.64KB)
Mobbing akut
Handlungsstrategien gegen Mobbing
Mobbing akut.pdf (297.64KB)




4 Mobbing-Fälle aus Sicht der Betroffenen


1. Fall: LAG Thüringen als Wegbereiter der Mobbingbekämpfung

LAG Thüringen, Urteil vom 15.02.2001, Az.: Aktenzeichen 5 Sa 102/00

 

Überblick: In diesem Fall wurde der Mobber entlassen und klagte gegen seine Kündigung. Das Landesarbeitsgericht Thüringen musste letztendlich entscheiden, ob die Kündigung rechtmäßig war. Dabei wurde durch das Landesarbeitsgericht anerkannt, dass Mobbinghandlungen nur im Zusammenhang beurteilt werden können:

„Die juristische Bedeutung der durch den Begriff "Mobbing" gekennzeichneten Sachverhalte besteht darin, der Rechtsanwendung Verhaltensweisen zugänglich zu machen, die bei isolierter Betrachtung der einzelnen Handlung die tatbestandlichen Voraussetzungen von Anspruchs-, Gestaltungs- und Abwehrrechten nicht oder nicht in einem der Tragweite des Falles angemessenen Umfang erfüllen können.“

 

Mobbingvortrag aus Opfersicht: Das Mobbing-Opfer war ein Fleischergeselle, der sich von seinem Warenbereichsleiter gemobbt fühlte. Das führte auch zur Vornahme eines Suizid-Versuchs. Sein Abschiedsbrief lautete folgendermaßen:

 

"Liebe Sabine! Es tut mir in der Seele weh dies zu tun, aber habe keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Dank der lieben Versetzung nach M zu Herrn M hat sich das alles so ergeben. Falls Du noch einmal einen der Mitarbeiter in M triffst, kannst Du Herrn M ausrichten lassen, "daß bei Hitlers Zeiten solche kranken Leute hingerichtet wurden" ich jetzt auch nicht mehr lebe…".

 

Weiterhin gab er später folgende eidesstattliche Erklärung ab:

 

Ø „Beim Begrüßungsgespräch … wurde ich mit: "Guten Tag Herr F, ich bin Herr M, der Warenbereichsleiter, wie Sie sicherlich wissen, eilt mein Ruf mir voraus, ich habe bisher jedem das Arbeiten beigebracht und ich werde schnellstens Ihre Kotzgrenze finden" empfangen. Zu dieser Zeit befanden sich leider keine Zeugen im Raum.“

Ø In der weiteren Arbeitswoche ging es mit Beschimpfungen wie folgt weiter:

Ø "Sie lahmes Arschloch",

Ø "Können Sie denn überhaupt nichts richtig machen",

Ø "Sie Erfurter Puffbohne können wohl überhaupt nichts",

Ø "Ich mache Sie fertig",

Ø "Sie haben wohl nicht alle Tassen im Schrank",

Ø "Herr H hat Ihnen wohl nur Müll gelernt, aber das ist ja normal bei Herrn H, usw."

Ø Diese Äußerungen wurden während der Ausführung meiner zugeteilten Arbeiten von Herrn M geäußert, wobei wir uns in der Fleischerei befanden. Zu dieser Zeit war der Fleischergeselle Herr S als Zeuge anwesend.

Ø In meinen Pausenzeiten wurde mir von Herrn M nicht gestattet, diese zeitlich auszuschöpfen. Das Rauchen wurde mir auch untersagt. Es wurde mir noch nicht einmal eine vollständige Pause von insgesamt 2 mal eine halbe Stunde bei einem 14 Stundentag gewährt. Dies ging Dienstag bis Samstag derselben Woche. Es wurde von Herrn M angewiesen, daß jeder Fleischer von Früh bis Abends da zu sein hat. …“

 

Nach einer Arbeitsunfähigkeitsphase wurde er mit folgenden Worten empfangen:

 

Ø „Herr F, sie haben doch nur simuliert und zu Hitlers Zeiten hat man solche Betrüger wie Sie an die Wand gestellt und erschossen. Herr F, zu Hitlers Zeiten haben sich Männer Finger abgeschnitten, um nicht in den Krieg zu müssen, solche hat Hitler auch an die Wand gestellt."

 

Das Ergebnis der Entscheidung: Das Landesarbeitsgericht Thüringen entschied, dass die Kündigung rechtmäßig war. Mobbing kann danach eine außerordentliche fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses selbst ohne Abmahnung rechtfertigen, wenn es zu einer Störung des Betriebsfriedens gekommen ist. Dabei kommt es bei einem Mobbingverlauf zur Einhaltung der 2-Wochen-Frist für die fristlose Kündigung auf das letzte, den Kündigungsentschluss auslösende Glied in der Kette der Mobbinghandlungen an.

           


 

2. Fall: LAG Thüringen und die Fortentwicklung der Rechtsprechung

Quelle: LAG Thüringen, Urteil vom 28.06.2005, Az.: 5 Sa 63/04

 

Überblick: In dem Urteil ging es um die Einhaltung der Menschenwürde am Arbeitsplatz und der Definition des Mobbingbegriffs als Bestandteil systematischer Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Es erfolgten Abmahnungen und die Kündigung einer ihren Vorgesetzten und dem Geschäftsführer unliebsam gewordenen Mitarbeiterin einer in kirchlicher Trägerschaft stehenden Behinderteneinrichtung.

 

Das LAG urteilte zusammengefasst:

 

  • Ein wirksamer Mobbingschutz ist      eine Verpflichtung des Rechtsstaats.
  • Die isolierte Rechtsprüfung einer      zum Anlass einer Klage gewordenen Maßnahme wird der Tragweite eines      Mobbing-Falles nicht gerecht.
  • Die für die Feststellung von      Mobbing erforderlichen persönlichkeitsfeindlichen Angriffshandlungen      können nur vorsätzlich begangen werden.
  • Je öfter und intensiver gegenüber      einer Person durch deren Persönlichkeitsrechtsstellung belastende      Rechtsakte oder inadäquate Kommunikation ein sozial ausgrenzendes oder in      sonstiger Weise ein diese psychisch belastendes Verhalten an den Tag      gelegt wird, um so mehr spricht hinsichtlich der jeweiligen Handlungen für      das Vorliegen von Persönlichkeitsbekämpfungsvorsatz und bei      verhaltensumfassender Beurteilung für die Berechtigung des      Mobbingvorwurfs.
  • Bei der Bewertung des zeitlichen      Zusammenhangs mit anderen Mobbinghandlungen kommen Mobbingelementen mit      dauerverletzender Gestaltungswirkung eine besondere Rolle zu.
  • Ist ein mobbingbegründender      Sachverhalt vorgetragen, obliegt der Gegenpartei der Vortrag und ggfs. der      Beweis von Tatsachen, die das Fehlen einer Täter-Opfer-Beziehung      begründen.

 

Der letzte Punkt, nämlich letztendlich die Umkehr der Beweislast, wurde in anderen Verfahren durch das Bundesarbeitsgericht abgelehnt.

 

Mobbingvortrag aus Opfersicht: Die Geschädigte trug auszugsweise Folgendes vor:

Ø Sie sei regelmäßig in das Dienstzimmer ihres Vorgesetzten beordert worden.

Ø Sie sei mindestens 5 Mal als schlechteste Mitarbeiterin bezeichnet worden.

Ø Es wurde bemängelt, dass die Geschädigte zu oft ins Lager gehen würde, um Material zu holen.

Ø Es wurde in einem Fall die Vorlage eines schriftlichen Auftrages verlangt, obwohl die Erledigung solcher Aufträge früher mündlichen üblich gewesen sei.

Ø Im Gegensatz zu vorher sei plötzlich alles falsch gewesen, was sie gemacht hatte.

Ø Es hätten willkürliche und boshafte Behandlungen vorgelegen.

Ø Sie habe eine Abmahnung wegen einer angeblichen Verweigerung eines Dienstgesprächs erhalten.

Ø Sie habe Abmahnungen wegen einer angeblichen Arbeitsverweigerung erhalten.

Ø Sie hatte die Anweisung erhalten, sich auch dann abzumelden, wenn sie persönlich die Toilette aufsuchen musste.

 

Das Ergebnis der Entscheidung: Die Abmahnungen mussten aus der Personalakte entfernt werden und die Kündigung war unwirksam.

 

   

3. Fall: Schmerzensgeld wegen Persönlichkeitsverletzung

Quelle: Arbeitsgericht Siegburg, Urteil vom 11.10.2012, Az.: 1 Ca 1310/12

 

Überblick: Ein Industriekaufmann arbeitete als Bereichsleiter im Software-Service bei einer Firma, die Informationstechnologie-Dienstleistungen anbot. Nach einer Umstrukturierung wurde er als Taskmanager Informationstechnologie beschäftigt. Er musste hierbei Leistungsabrechnungen ausfüllen, in denen die Abwesenheits- und Anwesenheitszeiten sowie die während der Arbeitszeit erledigten Aufgaben mit Angabe der jeweils benötigten Zeit eingetragen wurden. Über Jahre hinweg hatte der Mann wiederholt darauf hingewiesen, dass er nicht ausgelastet sei. Daraufhin wurde er angewiesen, minderwertige Arbeiten zu verrichten. Schließlich wurde ihm der Arbeitsplatz weggenommen. Er klagte die Zahlung eines Schmerzensgeldes ein.

 

Mobbingvortrag aus Opfersicht: Der Arbeitnehmer behauptete:

Ø Seine Erkrankung sei auf den Arbeitsplatzkonflikt zurückzuführen.

Ø Der Arbeitgeber hätten seine Fürsorgepflicht in erheblichem Maße verletzt.

Ø Trotz seiner häufigen Bitten sei ihm nicht genug Arbeit zugewiesen worden.

Ø Er sei durch die wiederholte Anweisung, EDV-Schrott zu sortieren, bewusst herabgesetzt worden.

Ø Er sei dadurch bestraft worden, dass seine Urlaubsanträge abschlägig beschieden worden seien.

Ø Nach seiner Rückkehr aus einer Reha-Maßnahme sei ihm sein Arbeitsplatz zugunsten eines Auszubildenden genommen worden.

Ø Ihm seinen finanziell lukrativen Einsätze im Wochenend-Hotline-Dienst gestrichen worden.

Ø Der ihm als Arbeitstisch zugewiesene Arbeitsplatz sei zuvor zum Abstellen von Kaffeekannen benutzt worden.

Ø Er habe sich an seinem ersten Arbeitstag nach der Reha-Maßnahme mit seinen Kollegen selbst um die Installation eines Computers kümmern müssen.

Ø Er habe den Generalschlüssel abgeben müssen mit der Begründung, der Auszubildende benötige diesen dringend.

 

Das Ergebnis der Entscheidung: Das Gericht sprach dem Arbeitnehmer ein Schmerzensgeld in Höhe von 7.000,00 Euro zu. Handlungen des Arbeitgebers, die einem Arbeitnehmer suggerieren, er sei fachlich und persönlich ungeeignet bzw. minderwertig, stellen eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts dar und begründen damit einen Schmerzensgeldanspruch.



4. Fall: Verwirkung eines Schmerzensgeldanspruchs bei Mobbing

Quelle: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 11.12.2014, Az.: 8 AZR 838/13

 

Überblick: Der Gemobbte machte gegen seinen früheren Vorgesetzten einen Schmerzensgeldanspruch wegen Verletzung der Gesundheit und des allgemeinen Persönlichkeitsrechts in Höhe von mindestens 10.000 Euro geltend. Er stützt sich dabei auf Vorfälle in den Jahren 2006 bis 2008, die er als Isolierung, Herabwürdigung und Schikane wertet. Der letzte Vorgang soll am 8. Februar 2008 stattgefunden haben. Die Klage ging Ende Dezember 2010 bei Gericht ein.

 

Mobbingvortrag aus Opfersicht: Ein neuer Vorgesetzter des Geschädigten brachte den Mobbingverlauf ins Rollen. Folgendes sei unter anderem vorgefallen:

 

Ø Dem Geschädigten wurde mitgeteilt, er solle nicht mehr in der Abteilung beschäftigt werden und er solle sich eine andere Stelle extern suchen.

Ø Wörtlich wurde ihm gesagt: „Ich will Ihnen ja nicht drohen, aber Sie wissen doch selbst am besten aus ihrer Tätigkeit heraus was ankommt, wenn sich die Fronten verhärten."

Ø Er wurde räumlich versetzt und hatte plötzlich keinen Zugriff mehr auf die Datenbestände der neu gebildeten Abteilung.

Ø Er wurde auch nicht mehr zu gemeinsamen Treffen der Abteilung dienstlicher und halbdienstlicher Natur eingeladen.

Ø Er wurde ferner aus einem sogenannten Steuerkreis herausgelöst.

Ø Im Informationssystem des Unternehmens wurde er nicht mehr als Fachberater und möglicher Ansprechpartner aufgeführt.

Ø Ein gebuchtes Weiterbildungsseminar wurde durch den Arbeitgeber storniert.

Ø Er erhielt eine Abmahnung, da er den Vorwurf des Mobbings erhoben hatte.

Ø Der Vorgesetze habe angekündigt, ihm seine Arbeit so unangenehm zu machen, dass er selbst kündigen werde.

 

Das Ergebnis der Entscheidung: Die Klage war nicht zu spät erhoben worden. Denn Ansprüche verjähren erst nach drei Jahren und für eine Verwirkung lagen keinerlei Merkmale vor. Das vorinstanzliche Landesarbeitsgericht muss sich nochmals mit der Sache beschäftigen. Nach dem Urteil des BAG kann der Schmerzensgeldanspruch wegen Mobbings zwar verwirken, dafür genügen jedoch nicht nur ein bloßes Abwarten oder die Untätigkeit des Anspruchstellers.